Gewiss einer der Star-Pianisten des 21. Jahrhunderts
Zum Konzert von Jacob Katsnelson im Kammermusiksaal des Steingraeber-Hauses am 2.11.2008
Von Sönke Remmert
Ein außergewöhnliches Konzert gab am Sonntag, zu Abschluss des Tags der Offenen Tür in der Steingraeber-Manufaktur, der russische Pianist Jacob Katsnelson im Kammermusiksaal. Katsnelson, geb. 1976 in Moskau, ist Schüler und zur Zeit Assistenz-Professor von Elisso Wirssaladze und kann als pianistischer Star der Zukunft gelten.
Der erste Teil des frühabendlichen Konzerts war Ludwig van Beethoven gewidmet. Zu Beginn erklang sein „Andante Favori“, der ursprüngliche Mittelsatz der berühmten „Waldstein-Sonate“. Im Gegensatz zu vielen anderen Pianisten verwechselte Katsnelson das Andante nicht mit einem tränenschweren Adagio, sondern brachte das lyrische Stück, das jedoch durchaus kraftvolle Akzente kennt, in einem wirklich „gehenden“ Andante-Tempo zum Klingen.
Es folgte eines der berühmtesten Werke Beethovens: Die frühe c-Moll-Sonate Op. 13, die „Pathétique“. Katsnelson legte im hier eindeutig herausragenden Kopfsatz ein besonderes Augenmerk auf die dynamischen sowie die tempomäßigen Kontraste. Die mehrmaligen Reminiszenzen an die langsame Einleitung nehmen den Beethoven der späten Sonaten und Streichquartette vorweg. Katsnelson beeindruckte im „Allegro molto e con brio“ durch ein geradezu atemberaubendes Tempo. Aber auch die Lyrizität des Mittelsatzes und die Klassizität des Final-Rondos gelangen ihm sehr gut.
Der nächste Programmpunkt war Beethovens Es-Dur-Sonate Op. 31 Nr. 3. Dieses Werk nimmt in Form und Charakter (viersätziger Zyklus ohne wirklich langsamen Satz) die 8. Sinfonie vorweg. Dies kam in Katsnelsons Interpretation hervorragend zur Geltung. Die Sätze 1, 2 und 4 nahm er in sehr schnellen, sehr gut passenden Tempi. Hervorzuheben ist hier, dass er aus dem 3. Satz nicht fälschlicherweise den traditionellen langsamen Teil machte. Das Stück hat – wie der 3. Satz der 8. Sinfonie – Menuett-Charakter, trotz der melancholischen Chromatik, welche insbesondere den Schlussteil trübt. Katsnelsons Interpretation merkte man absolut an, dass wir es mit einem Moderato und nicht mit einem langsamen Andante geschweige denn Adagio zu tun haben.
Nach der Pause erklangen die 6 Moments Musicaux Op. 94 von Franz Schubert. Unter ihnen ist die Nr. 3 in f-Moll sicherlich am bekanntesten. Dieses Stück mit seiner slawisch geprägten Melodik liegt dem Russen Katsnelson ganz besonders. Die anderen Stücke der Serie wurden unter seinen Händen zu wahren Entdeckungen: So das cis-Moll-Stück, das in seinen Rahmenteilen manchmal an Barockmusik erinnert, und die abschließende As-Dur—Komposition mit ihrem quasi-Moll-Schluss.
Etwas ganz Besonderes war die abschließende „Tannhäuser“-Ouvertüre Richard Wagners in der Bearbeitung von Franz Liszt. Ist es schon außerordentlich, die Vielfalt der Orchesterfarben kompositorisch auf das Klavier zu übertragen, so gelang Katsnelson eine wirklich kongeniale Interpretation: Man meinte, die gesamte Vielfalt der Orchesterinstrumente Wagners im kleinen Kammermusik-Saal mitzuerleben. Dies gilt für den Pilgerchor in den Rahmenteilen ebenso wie für die Venusberg-Szenerie.
Für den frenetischen Applaus im sehr gut besuchten Kammermusiksaal bedankte sich Katsnelson mit nicht weniger als drei Zugaben, deren Abschluss J. S. Bachs Choralbearbeitung „Jesus bleibet meine Freude“ bildete.
Ein außergewöhnliches Konzert gab am Sonntag, zu Abschluss des Tags der Offenen Tür in der Steingraeber-Manufaktur, der russische Pianist Jacob Katsnelson im Kammermusiksaal. Katsnelson, geb. 1976 in Moskau, ist Schüler und zur Zeit Assistenz-Professor von Elisso Wirssaladze und kann als pianistischer Star der Zukunft gelten.
Der erste Teil des frühabendlichen Konzerts war Ludwig van Beethoven gewidmet. Zu Beginn erklang sein „Andante Favori“, der ursprüngliche Mittelsatz der berühmten „Waldstein-Sonate“. Im Gegensatz zu vielen anderen Pianisten verwechselte Katsnelson das Andante nicht mit einem tränenschweren Adagio, sondern brachte das lyrische Stück, das jedoch durchaus kraftvolle Akzente kennt, in einem wirklich „gehenden“ Andante-Tempo zum Klingen.
Es folgte eines der berühmtesten Werke Beethovens: Die frühe c-Moll-Sonate Op. 13, die „Pathétique“. Katsnelson legte im hier eindeutig herausragenden Kopfsatz ein besonderes Augenmerk auf die dynamischen sowie die tempomäßigen Kontraste. Die mehrmaligen Reminiszenzen an die langsame Einleitung nehmen den Beethoven der späten Sonaten und Streichquartette vorweg. Katsnelson beeindruckte im „Allegro molto e con brio“ durch ein geradezu atemberaubendes Tempo. Aber auch die Lyrizität des Mittelsatzes und die Klassizität des Final-Rondos gelangen ihm sehr gut.
Der nächste Programmpunkt war Beethovens Es-Dur-Sonate Op. 31 Nr. 3. Dieses Werk nimmt in Form und Charakter (viersätziger Zyklus ohne wirklich langsamen Satz) die 8. Sinfonie vorweg. Dies kam in Katsnelsons Interpretation hervorragend zur Geltung. Die Sätze 1, 2 und 4 nahm er in sehr schnellen, sehr gut passenden Tempi. Hervorzuheben ist hier, dass er aus dem 3. Satz nicht fälschlicherweise den traditionellen langsamen Teil machte. Das Stück hat – wie der 3. Satz der 8. Sinfonie – Menuett-Charakter, trotz der melancholischen Chromatik, welche insbesondere den Schlussteil trübt. Katsnelsons Interpretation merkte man absolut an, dass wir es mit einem Moderato und nicht mit einem langsamen Andante geschweige denn Adagio zu tun haben.
Nach der Pause erklangen die 6 Moments Musicaux Op. 94 von Franz Schubert. Unter ihnen ist die Nr. 3 in f-Moll sicherlich am bekanntesten. Dieses Stück mit seiner slawisch geprägten Melodik liegt dem Russen Katsnelson ganz besonders. Die anderen Stücke der Serie wurden unter seinen Händen zu wahren Entdeckungen: So das cis-Moll-Stück, das in seinen Rahmenteilen manchmal an Barockmusik erinnert, und die abschließende As-Dur—Komposition mit ihrem quasi-Moll-Schluss.
Etwas ganz Besonderes war die abschließende „Tannhäuser“-Ouvertüre Richard Wagners in der Bearbeitung von Franz Liszt. Ist es schon außerordentlich, die Vielfalt der Orchesterfarben kompositorisch auf das Klavier zu übertragen, so gelang Katsnelson eine wirklich kongeniale Interpretation: Man meinte, die gesamte Vielfalt der Orchesterinstrumente Wagners im kleinen Kammermusik-Saal mitzuerleben. Dies gilt für den Pilgerchor in den Rahmenteilen ebenso wie für die Venusberg-Szenerie.
Für den frenetischen Applaus im sehr gut besuchten Kammermusiksaal bedankte sich Katsnelson mit nicht weniger als drei Zugaben, deren Abschluss J. S. Bachs Choralbearbeitung „Jesus bleibet meine Freude“ bildete.
Wer dieses Konzert besuchte, darf sich glücklich schätzen: Jacob Katsnelson ist gewiss ein Star von morgen und übermorgen. Schon in wenigen Jahren wird er kaum noch in solch beschaulichen Sälen, sondern in den großen Hallen der Metropolen sein Publikum begeistern!